Jeder Theologie-Studierende kennt das: „Und was studierst du?“ – „Ev. Theologie“ – „Du wirst Pfarrer/Pastor/Priester/Papst?“ Im besten Fall kommt dann noch ein: „Wow, so siehst du gar nicht aus!“ Aber dann geht es los… Ob in der Bahn, in der Mensa oder in der Disco: Zum Thema Religion hat jeder irgendetwas zu sagen. Ich mag diese Gespräche mal mehr mal weniger. Auch meine Gesprächspartner schwanken zwischen blanker Kirchenkritik (meist unreflektiert), dem Gefühl sich bei mir für ihre seltenen Kirchenbesuche entschuldigen zu müssen (Was hab ich damit zu tun?), und einer höflichen Hochachtung, dass es noch junge Leute gebe, die die Tradition hochhalten (Tue ich das?).

Wie gesagt, das ist nichts Neues.

Ein Thema, das in diesen Gesprächen immer wieder aufkommt, sind die Gottesbeweise. „Ich glaube nur, was mir die Wissenschaft beweisen kann!“ behaupten dann viele gern von sich. Ein interessantes Statement in einer Zeit von #alternativefacts und #postfaktisch.

Ich muss zugeben, als ich noch etwas jünger war, war ich absolut fasziniert von der Idee, Gott einfach beweisen zu können. Das hätte mir so viele Zweifel erspart. Manchmal reicht es eben nicht, seinen Glauben damit zu begründen, dass man Gott spürt, oder es sich richtig anfühlt. Denn manchmal spürt man nichts, und dann stellt sich die Frage, ob dann auch kein Glaube da ist.

Gottesbeweise sind natürlich eine komplizierte Sache. Die meisten Gesprächspartner, die ich hatte, kamen dann immer mit Kant um die Ecke, der ja bekanntlich all den Quatsch widerlegt hätte. Natürlich hatte nie jemand einen Gottesbeweis durchstiegen (wie gesagt: kompliziert), geschweige denn Kant gelesen. An dieser Stelle gerät die Diskussion in der Regel ins Stocken. Ich bin nicht ganz firm mit den Beweisen und mein Gegenüber schon gar nicht. Und heutzutage kann man selbst bei einer makellosen Beweisführung mit einem „Glaub ich trotzdem nicht!“ rechnen. Wie gesagt #postfaktisch!

Doch für mich sind Gottesbeweise auch weniger interessant geworden. In der protestantischen Theologie werden sie stiefmütterlich behandelt, oder gleich ganz verworfen. Sola Scriptura – Allein durch die Schrift! Nicht durch Vernunft, nicht durch Natur, nicht durch… whatever.

Vor allem Karl Barth sah in der sogenannten natürlichen Theologie große Gefahr. Die Nazis hatten seiner Zeit eine zu weiten Teilen unbiblische Blut-und-Boden-Theologie entwickelt. Die Bibel wurde fleißig ausgedünnt, und sein Heil fand man auch in Volk und Führer (postfaktisch?). Barths sogenannte Dialektische Theologie wandte sich dagegen, erhob die Bibel und das Wort zu ungeahnten Autoritäten und prägte so die protestantische Kirche bis heute. Die Gottesbeweise waren damit Teil der Kirchengeschichte und fanden in der Systematischen Theologie weit weniger Beachtung. (Es geht vielleicht etwas weit, das alles Barth in die Schuhe zu schieben, aber er hatte seinen Anteil.)

Tja, was mache ich nun in den immer wiederkehrenden Gesprächen über meinen Glauben? Gottesbeweise sind für mich nicht das Mittel der Wahl. Für mich gibt es da drei Wege, die ich je nach Lust und Laune gehe:

  1. Ich sage, ich würde BWL studieren. Ende jeder Diskussion. Das ist langweilig und interessiert niemanden.
  2. Mein Gegenüber bekommt das, was er hören will. Ich höre mir die Meinung des anderen an und sage, was mir der Glaube gibt (Kraft, Mut, blabla, etc…). Ich gebe zu, dass in der Kirche viel falsch laufe, aber bemerke, dass da auch nur Menschen am Werk seien. Seine etwas seltsame Patch-Work-Religion finde ich ganz in Ordnung (wenn auch nicht stichhaltig, aber ist ja auch egal… Jeder wie er mag). Am Ende sagt er dann: „Du bist ’n cooler Typ! Wenn ich mal heirate, komme ich auf dich zurück!“ Ich zwinkere und wir sehen uns nie wieder.
  3. Ich verlagere das Gespräch auf eine andere Ebene. Statt über meine Religion zu reden, sollten wir erst einmal klären, was man denn überhaupt wissen kann. Ganz im Stile der modernen Apologeten (Timothy Keller oder C.S. Lewis) lenke ich das Gespräch so, dass mein Gegenüber zu der Einsicht kommt, dass auch sein Welt-, Menschen- und Wissenschaftsbild auf Glauben beruht. Es gibt keinen Beweis für Gott, und keinen Beweis für die Würde des Menschen, an die er doch so fest glaubt. Am Ende des Gesprächs ist er so beeindruckt von der Art und Weise meiner Argumentation, dass er gern mal mit mir in den Gottesdienst kommen würde. Und dann wache ich auf.